Zu wenig beachtet werden Arzneimittel als Einflussgröße oder Störfaktor für einen zu messenden Blutbestandteil. Arzneimittel beeinflussen weitaus häufiger und gewöhnlich auch stärker in vivo, also biologisch, die Konzentration eines Blutbestandteils, als dass sie in vitro die Analytik stören und dadurch das Ergebnis verändern. Unten finden Sie Arzneimittel aufgelistet, die in vivo zur Veränderung von häufig angeforderten Blutbestandteilen führen können. Infusionslösungen bewirken im Wesentlichen als Störfaktoren ein verändertes Messergebnis. Ursache ist die venöse Blutabnahme aus einer nicht ausreichend gespülten Dauerkanüle oder einem Venenkatheter. Vor Probennahme sollte zweimalig mit 10 ml isotoner NaCI gespült werden, nachfolgend 5 ml Blut aspiriert und verworfen werden und dann erst die venöse Blutabnahme für die Laboruntersuchungen erfolgen.

BlutbestandteilArzneimittelwirkung
Glucoseerhöhend: Nikotinsäureester, Phenytoin, Prednisolon, Proprano-lol, Thiazide, Chlorpromazin, Indomethazin, Levodopa
vermindernd: Chlorthalidon, Hydrochlorothiazid, orale Kontrazeptiva (nicht die Mikropille) vermindernd: Vitamin C, längerzeitig
Kreatininerhöhend: Amoxapin, Salicylsäure, Cimetidin, Cotrimoxazol, Cyclosporin, Mefenaminsäure, Methoxyfluran, Trimethoprim-Sulfamethoxazol
GOT und GPTerhöhend: Azetaminophen, Amiodaron, Salicylsäure, Carbamazepin, Disopyramid, Oxacillin, Oxyphenasitin, Papaverin, Paracetamol, Penicillamin, Perhexilin, Phenylbutazon, Phenytoin, Ranitidin, Rifampicin, Streptokinase, Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Valproinsäure
YGTerhöhend: Carbamazepin, Erythromycin, orale Kontrazeptiva (nicht die Mikropille), Oxacillin, Phenytoin
vermindernd: Clofibrat
APerhöhend: Allopurinol, Amsacrin, Carbamazepin, Cotrimoxazol, Cyclophosphamid, Disopyramid, Erythromycin, Goldsalze, Isoniazid, Ketoconazol, Mercaptopurin, Methotrexat, Methoxyfluran, alpha-Methyldopa, Methyltestosteron, Oxacillin, Oxyphenisatin, Papaverin, Penicillamin, Perhexilin, Phenobarbital, Phenylbuta¬zon, Phenytoin, Primidon, Propylthiouracil, Ranitidin, Trimetho-prim/Sulfamethoxazol, Sulfasalazin, Valproinsäure
vermindernd: Clofibrat, orale Kontrazeptiva
Gerinnungsparameter
PTZ, PTT
Vitamin-K-Antagonisten (Marcoumar) erniedrigen die PTZ, bzw. erhöhen die INR was auch zur Therapieüberwachung genützt wird. Es kann auch die PTT verlängert sein, was aber nur artifizielle Bedeutung hat.
CAVE: neue direkte Thrombinhemmer (Pradaxa,Xarelto,…) beeinflussen PTZ und vor allem die PTT einige Stunden nach Einnahme, ohne aber zum Monitoring geeignet zu sein. Im Zweifelsfall Blutabnahme vor morgendlicher Medikamenteneinnahme!

Zeitspanne zwischen Gewinnung und Abarbeitung

Die Zeitspanne zwischen Probengewinnung und Abarbeitung sollte so kurz wie möglich gehalten werden, um bestens reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen. Bei zu langer Lagerung der Probe (> 12 Stunden) setzen biologische Abbauvorgänge bzw. Freisetzung intrazellulärer Bestandteile ein und es kommt zu veränderten Werten. Nach der Blutabnahme sollte das Probenmaterial zur Gewinnung von Serum wenn möglich innerhalb einer Stunde zentrifugiert werden. Die Probenstabilität für Serum (Trenngel) und Gerinnungsparameter kann durch Zentrifugation (frühestens 30 Minuten nach BA = Abkühl-, Gerinnungsphase) wesentlich verbessert werden (Trennung von flüssigen und festen Blutbestandteilen). Zur Stabilisierung von Blutzuckerwerten können Fluorid-Röhrchen verwendet werden (bis 24 Stunden). Bei einigen Parametern (z.B. Ammoniak, Kälteagglutinine, etc.) ist dies unerlässlich. Es wird bei der Beschreibung der Einzeluntersuchungen auf solche präanalytischen Besonderheiten hingewiesen. Ebenso ist bei jedem Parameter die Probenstabilität vermerkt.

Für den Postversand eignen sich lediglich bereits zentrifugierte Seren oder Plasmaproben, die nach Möglichkeit tiefgekühlt (mind. –20°C) versendet werden können. Vollblut ist für einen mehrtägigen Transport nicht geeignet.

Parameter, die besonders empfindlich auf längere Lagerung reagieren:

Klinische Chemie:Blutzucker erniedrigt (> 6 Stunden, Ery verbrauchen Glucose), Kalium und LDH erhöht (infolge Freisetzung intracellulärer höherer Konzentrationen); Für BZ-Bestimmung kann ein Na-Fluorid-Röhrchen verwendet werden, was die Stabilität auf bis zu 72 Stunden erhöht.
Blutbild:Makrozytose (>12 Stunden, Ery blähen sich auf), Leukozyten sinken (Lyse), Differentialblutbild nicht mehr beurteilbar (Zelldegeneration)
Gerinnung:Werte unplausibel (> 8 Stunden: Faktorenabbau)