Barcode-Etiketten dürfen nie auf den Deckel geklebt werden, denn dieser wird bei der Abarbeitung weggeworfen. Man unterscheidet bei den Harnproben:
- Spontanharn: kompletter Harnbefund, Drogenharn, Pyridinolin-Crosslinks
- Mittelstrahlharn: Harnkultur; 24h-Sammelharn: Katecholamine, Elektrolyte, Gesamteiweiß, Kreatinin Clearance.
- Für die Einsendung von Sammelharnproben genügen 10 ml aus dem vorher gut durchmischten Sammelgefäß; Wichtig: Sammelzeit und Harnmenge angeben auf Harngefäß und Zuweisung vermerken!
- Für die Gewinnung eines nicht mit Umgebungskeimen kontaminierten Mittelstrahlharnes ist die Reinigung des Meatus urethrae vor der Harnabgabe (mittels Reinigungstüchlein) und eine entsprechende Anleitung für den Patienten erforderlich.
- Harnabgabe während der Menstruation ist zu vermeiden, allenfalls im Befund zu vermerken.
- Für bestimmte Harnuntersuchungen (Katecholamine, VMS, HIES) ist eine Ansäuerung des Sammelharnes erforderlich: 10ml 10%ige HCL in Sammelbehälter vorlegen.
24 Std. Sammelurin, ohne Zusätze:
Beginn der Sammelperiode 7 Uhr morgens; der erste Morgenurin wird verworfen, danach komplette Sammlung aller Urinportionen bis zum nächsten Morgen 7 Uhr, inklusive Morgenurin. Gesamturinmenge gut durchmischen, benötigte Teilurinmenge in Probenröhrchen abfüllen und entsprechend lagern. 24h-Sammelmenge auf Anforderungsschein vermerken.
24 Std. Sammelurin, angesäuert:
Zuerst 10ml 10% Salzsäure in Sammelbehälter geben bzw. diesen in Ihrem Labor anfordern. Beginn der Sammelperiode 7 Uhr morgens; der erste Morgenurin wird verworfen, danach komplette Sammlung aller Urinportionen bis zum nächsten Morgen 7 Uhr, inklusive Morgenurin. Gesamturinmenge gut durchmischen, benötigte Teilurinmenge in Probenröhrchen abfüllen und entsprechend der Vorschrift des jeweiligen Testparameters (z.B. tiefgefroren, lichtgeschützt) lagern. 24 Std-Sammelmenge auf Anforderungsschein vermerken.
Entnahmezeitpunkt:
| Analysen, die nur mit Säurezusatz durchgeführt werden können | Weitere Analysen, die aus angesäuertem Urin durchgeführt werden können | Analysen, die nur ohne Säurezusatz durchgeführt werden können |
|---|---|---|
| VMS | Natrium | pH |
| Katecholamine | Kalium | Chlorid |
| 5-HIES | Harnstoff | Osmolalität |
| Calcium | Kreatinin | Harnsäure (Urat) |
| Magnesium | Glukose | Urinstatus |
| Porphobilinogen | Urinsediment | |
| Delta-Aminolävulinsäure | Amylase | |
| Protein | ||
| Albumin | ||
| Myoglobin | ||
| Porphyrine | ||
| Cortisol | ||
| Aldosteron | ||
| Pyridinoline | ||
| Spurenelemente (im Spez.Gefäss!) |
Am besten geeignet ist der erste Morgenurin. Im Idealfall sollten zwischen Gewinnung der Urinprobe und letzter Miktion mindestens 3 Stunden liegen. Der Urin sollte möglichst vor Beginn einer antibakteriellen Chemotherapie gewonnen werden.
Mittelstrahlurin:
Methode der Wahl, allerdings behaftet mit dem Problem der Kontaminationsmöglichkeit durch Bakterien aus Urethra, Vaginalsekret, Perineum usw. Hände sorgfältig mit Seife und Wasser waschen, abspülen, mit Einweghandtuch trocknen.
Gewinnung bei der Frau:
- Mit einer Hand die Labien spreizen und geöffnet halten, bis die Uringewinnung abgeschlossen ist
- Vulva mit der anderen Hand von vorn nach hinten mit in Seifenlösung oder in handwarmes Wasser getauchten Tupfer reinigen
- Nachfolgend mit Tupfern und warmem Wasser abspülen
- Bereich um das Orificium urethrae mit Tupfern trocknen und einen Tupfer in den Introitus vaginae einlegen
Gewinnung beim Mann:
- Präputium vollständig zurückziehen
- Glans penis mit einem Tupfer und Seifenlösung waschen
- Mit dem zweiten Tupfer und warmem Wasser abspülen
- Mit einem dritten Tupfer das Orificium urethrae trocknen
Besonderheiten:
Bei negativem Kulturergebnis trotz bestehender Symptomatik sind Erreger in Betracht zu ziehen, die mit dem herkömmlichen Urin-Kulturverfahren nicht angezüchtet werden können, z.B. Mykoplasmen, Ureaplasmen, Chlamydien, Mykobakterien. Eine diesbezügliche Angabe auf dem Begleitschein ist daher erforderlich.
- Mykoplasmen (bei V.a. Pyelonephritis): ggf. ca. 200 µl Erststrahlurin im Mykoplasmen-Transportmedium einsenden (bitte im Labor anfordern);
- Ureaplasma urealyticum (bei v.a. Urethritis): ggf. Urethralabstrich, -sekret, oder ca. 200 µl Erststrahlurin einsenden (für jedes Material bitte Mykoplasmen-Transportmedium verwenden).
- Chlamydia trachomatis: erste Urinportion nach einer Miktionspause von 1–2 Stunden (15–20ml, zellreiches Material erforderlich) oder Urethralabstrich (spezielles Abstrichset bestehend aus Abstrichtupfer und Transportmedium für NAT (Nukleinsäureamplifikationstechnik), Lagerung bei 4–6° C;
- Mykobakterien: siehe Tuberkulose/Mykobakteriose
